Rollende Zombies

Ich finde Navigationssysteme ungeheuer spannend, weil sie die Automobilität in den letzten Jahren komplett verändert haben. Leider gibt es nun auch rollende Zombies.

Das Leuchten

Ich verbringe sehr viel Zeit auf Autobahnen und fahre gern nachts, weil dann die Straßen richtig schön frei sind. Dann sieht man in fast jedem Auto diese leuchtenden Displays. Meist werden sie per Saugnapf und Spucke unter der Windschutzscheibe befestigt. Bessere Autos haben eigene Geräte im Armaturenbrett und ich nutze seit einiger Zeit die TomTom-App für das iPhone. Kaum jemand benutzt noch den Shell-Straßenatlas und plant die Route mit Zettel und Stift. Man verlässt sich auf die freundliche Stimme und gehorcht den Anweisungen kommentarlos.

Update

Warum ich die App nutze? Die Updates werden schön automatisch auf mein Smartphone geladen. Ich war noch nie ein großer Freund der TomTom-Home-App, weil ich mein Navi im Auto habe und es nicht extra per USB am Rechner manuell aktualisieren möchte. Vor allem ist ein Smartphone so einem altmodischen Klopper in der Rechenleistung überlegen. Das klassische Navigationsgerät wird wohl auf Dauer durch Apps der Kartenanbieter abgelöst. Diese Updates sind auch ungeheuer wichtig, weil darauf die Anweisungen für meine Route beruhen. Hat das verwendete Gerät eine alte Karte, so ist die Route vielleicht gar nicht mehr optimal. Straßenverläufe haben sich geändert, neue Streckenabschnitte wurden gebaut und Fehler in der Software behoben. Nur mit aktuellem Kartenmaterial werde ich auch die beste Route befahren.

Zombies der Straßen

Nur wer hat schon eine App auf dem Smartphone? Etliche Millionen alter Geräte fahren täglich durch die Welt. Sie bauen ihre Routenführung auf alten Karten auf. Nie wurden sie einem Update unterzogen. Alte Navigationsgeräte haben auch nur selten TMC mit an Bord. Die Software kann also gar keine Staus vorab erkennen und Millionen Navis fahren genau auf das Stauende zu. Das verstopft die Straßen und der Fahrer kann bestenfalls durch die Durchsagen im Radio eine bessere Alternativroute wählen. Nur das Navi versteht diese Änderung als Fehler. Es wird nun den Fahrer immer wieder auf diesen Stau zurückleiten wollen. Das kann mitunter sehr nervig sein, man fährt im Kreis, hat keinen Bock mehr und wartet stattdessen lieber im Stau. Diese Zombie-Geräte verursachen massenhaft Staus und suboptimale Routen. Daneben gibt es dann nicht nur TomTom als Kartenabieter. Es gibt billige Navis, anderes Kartenmaterial, andere Hersteller und noch Google Maps. Lauter verschiedene Systeme berechnen Routen und stimmen sich untereinander überhaupt nicht ab. Ich habe schon Schilder an Baustellen gesehen mit der Aufschrift: „Navi aus! Schildern folgen!“. Das blinde Vertrauen in die Technik hat bei Essen anscheinend für ein kleines Chaos in der Innenstadt gesorgt.

Zum Wohle der Autofahrer

Natürlich wollen die Hersteller von Navigationsgeräten Geld verdienen. Ich habe gestern erst 2,69 Euro für kostenpflichtige Staumeldungen investiert. Damit versuchen die Kartenanbieter zusätzliche Einnahmequellen zu generieren. Immerhin werden immer weniger Navigationsgeräte verkauft. Radarwarner und Verkehrsmeldungen sind oft kostenpflichtig. Es ist aber die falsche Lösung. Alle Navis sollten immer das aktuelle Kartenmaterial abfragen können. Alle Navigations-Lösungen sollten immer auch die aktuelle Verkehrslage berücksichtigen, weil sonst die Navigationsgeräte selbst Staus und stoppenden Verkehr verursachen. Mittlerweile haben wir nämlich Millionen alte Gebrauchtwagen mit veralteten Navis auf den Straßen und Autobahnen. Natürlich müssen die Hersteller neue Einnahmen generieren. Dann muss man allerdings nicht wichtige Features kostenpflichtig machen. Lieber soll man einzelne Routenführungen kostenpflichtig machen. Angepasste Themes in verschiedenen Farben anbieten, die deutsche Stimme von Julia Roberts endlich verkaufen und ein Abo für die App anbieten. Pro jahr 19,99 Euro würde ich dafür sicher zahlen.

Die Zukunft

Auf Dauer werden diese Zombie-Geräte von allein verschwinden. Dann werden alle Geräte zumindest die Verkehrslage erkennen können und die Routenführung anpassen. Nur müssen sich auch die Navis untereinander abstimmen. Alle fahrenden Fahrzeuge könnten anonym erfasst werden. Damit könnte man Staus vermeiden, die optimale Reisegeschwindigkeit für jeden Fahrer ermitteln und den Verkehrsinfarkt abwenden.

Wir vertrauen als Kunden den Navigationsgeräten, aber die Navis vertrauen sich leider noch nicht untereinander. Das muss sich ändern.

Robert Michel

Vater. YouTuber. Social Media Manager. Teste gern Technik & Gadgets.

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1 Reaktion

  1. Weg mit den rollenden Zombies! http://t.co/UakbSyNUOM #Navi #Kartenmaterial

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